Kategorie: Fotorecht

Fotorecht: Schauspielerin verklagt die Zeitschrift „FHM“ wegen Nacktfotos

Die pakistanische Schauspielerin Veena Malik erscheint in der Dezemberausgabe der Zeitschrift „FHM“ Indien mit einem Nacktfoto auf der Titelseite. In Pakistan löste dieser Umstand Empörung aus.

Die Schauspielerin, u. a. bekannt durch Big Brother,  hat nun wegen angeblich manipulierter Nacktfotos Klage gegen das Männermagazin erhoben. Sie ist der Auffassung, dass sie sich überhaupt nicht habe nackt ablichten lassen. Angeblich verlangt Veena Malik 100 Millionen Rupien (umgerechnet ca. 1,5 Millionen Euro) Schadenersatz, weil das Foto nachträglich bearbeitet sein soll.

Der Herausgeber von „FHM“ Indien wies sämtliche Vorwürfe zurück.

Zwar ist die Dezember-Ausgabe noch nicht im Handel erhältlich. Allerdings war auf der Internetseite der FHM bereits eine Vorschau zu sehen. Nicht nur der Umstand der Nacktheit löste Ärger im Heimatland Pakistan aus. Die erkennbaren Initialen „ISI“ auf ihrem Arm gossen zudem Öl ins Feuer. „ISI“ steht für den pakistanischen Geheimdienst (Inter Service Intelligence). Indien wirft dem Geheimdienst immer wieder vor, hinter Anschlägen zu stecken.

 

SPIEGEL ONLINE

Abbildungen von Kunstwerken dürfen nicht durch eine Fotoagentur kommerziell verwertet werden

Bilder von den Werken der Künstler Christo und Jeanne-Claude, wie z. B. Abbildungen des verhüllten Reichstags, dürfen nicht von einer Fotoagentur verbreitet werden. Dies hat das Landgericht Berlin entschieden (Urteil vom 27. September 2011, Az. 16 O 484/10).

Demnach ist es der Fotoagentur untersagt, Bilder der Künstler zu vervielfältigen, verbreiten oder öffentlich zugänglich zu machen.

Die Richter des LG Berlin sind der Auffassung, dass Christo ein urheberrechtlicher Unterlassungsanspruch zustehe. Ein Recht der Fotoagentur zur Berichterstattung über die Kunstaktionen bestehe nicht und ergebe sich nicht aus dem Urheberrecht:

Die … Schrankenregelungen der §§ 50 und 51 UrhG greifen nicht zu Gunsten der Beklagten ein: Voraussetzung des § 50 UrhG ist die Berichterstattung über ein Tagesereignis, in dessen Verlauf das Werk wahrnehmbar werden muss. Im Streitfall hat sich die Beklagte schon nicht auf ein konkretes Tagesereignis berufen. Die von ihr erwähnte abstrakte Möglichkeit, dass wegen zukünftiger Ereignisse an den Werken des Klägers erneut öffentliches Interesse entstehen könnte und sie deshalb das Bild material vorhalten dürfe, reicht insoweit nicht aus. …

Der vorliegende Sachverhalt ist aber auch nicht von § 51 UrhG erfasst. Die dort geregelte Zitatfreiheit ennöglicht die freie Nutzung für Zwecke, die der Auseinandersetzung mit den Werken dienen. Vorliegend ist weder behauptet noch zu erkennen, dass die Beklagte ein derartigen Ziel verfolgt. …

Zudem sei die Weitergabe der Fotos auch nicht  durch das Grundrecht der Pressefreiheit gerechtfertigt:

… Aus dem Grundrecht der Pressefreiheit (Art 5 Abs. 1 GG) folgt nichts anderes. Im Hinblick auf die grundsätzlich abschließende Regelung, die das Gesetz unter Berücksichtigung der verfassungsrechtlich verbrieften Interessen der Nutzerseite für die aus dem Urheberrecht fließenden Befugnisse und ihre Beschränkungen trifft kommt eine darüber hinausgehende Abwägung, wie sie für das Verhältnis der Online-Berichterstattung und den Schutz des Persönlichkeitsrechts geboten ist, nicht in Betracht (BGH, Urteil vom 5. 10. 2010 – I ZR 127/09 – Kunstausstellung im Online-Archiv, Rn 24 mwN). …

Das LG Berlin wendete die von der beklagten Fotoagentur herangezogene Entscheidung des BGH (Urteil vom 7. 12. 2010 – VI ZR 34/09) nicht an, wonach der Austausch zulässigerweise archivierten Bildmaterials unter dem Schutz der Pressefreiheit (Art. 5 Abs. 1 Satz 2 GG) steht. Eine quasi presseinterne Weitergabe von Fotos durch ein Bildarchiv stellt nach dem BGH nämlich keine Verbreitungshandlung dar. Das Bildarchiv erbringt in diesem Fall eine typisch medienbezogene Hilfstätigkeit, die in enger organisatorischer Bindung an die Medien erfolgt und für das Funktionieren der freien Medien notwendig ist (vgl. hierzu auch LG Hamburg, AfP 2007, 385 Rn. 28).

Gegenstand dort war die Weitergabe einzelner konkreter Fotos an Presseunternehmen und nicht – wie hier – die Vervielfältigung und öffentliche Zugänglichmachung einer großen Anzahl von Fotografien geschützter Werke.

 

 

LG Köln: Deckelung der Abmahnkosten bei privater Verwendung von Fotos auf eBay

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Auch das LG Köln hat bezüglich der Verwendung von Fotos im Rahmen einer privaten Ebay-Auktion entschieden. Über die Entscheidung des AG Braunschweig in einem ähnlichen Fall hatte ich bereits in folgendem Artikel berichtet: Urheberrechtlicher 100 %-Verletzerzuschlag wegen fehlender Urhebernennung gilt nicht bei versteckter Kennzeichnung.

In der Sache ging es um 6 urheberrechtlich geschützte Bilder im Rahmen einer privaten eBay-Auktion. Mit der Abmahnung verlangte der Rechteinhaber Erstattung von Rechtsanwaltskosten in Höhe von 1.192,60 € zzgl. Schadensersatz in Höhe von 300 € je Foto. Der Abgemahnte erstattete  vorprozessual Abmahnkosten in Höhe von 265,70 € und Schadensersatz in Höhe von insgesamt 300 €. Der Rechteinhaber klagte dann auf Zahlung des gesamten geforderten Betrages.

In erster Instanz wies das Amtsgericht Köln bereits die Klage ab (Urteil v. 21.04.2011, Az. 137 C 691/10). Nach Ansicht des Gerichtes sei die Erstattung der Abmahnkosten auf 100 Euro begrenzt, weil ein einfach gelagerter Fall gem. § 97a Abs. 2 UrhG vorliegt. Darüber hinaus ergebe sich aus einer Schätzung, dass der Abgemahnte lediglich 45 € Schadensersatz pro Bild hätte zahlen müssen. Diesbezüglich habe der Abgemahnte bereits mehr gezahlt, als der Rechtsinhaber hätte beanspruchen können.

Die Berufung beim Landgericht Köln hatte keinen Erfolg (LG Köln, Beschluss vom 28.07.2011, Az. 28 S 10/11). Das Gericht ist der Auffassung, dass eine Deckelung der Abmahnkosten auf 100 € gegeben sei. Entscheidend sei nämlich, dass die Bilder von einem Privatmann einmalig im Rahmen einer eBay-Auktion verwendet worden sind.

Dies Sachlage würde nur dann anders liegen, wenn die Fotos im geschäftlich Zusammenhang verwendet worden wären.

 

 

LG Berlin: Unterlassungsanspruch bei Verstoß gegen eine Creative Commons Lizenz

Die Urheberin eines Fotos des Politikers Thilo Sarrazin war in einem einstweiligen Verfügungsverfahren gegen eine rechtsextreme Partei erfolgreich. Diese hatte das streitgegenständliche Foto in einem Blog veröffentlicht. Dabei wurden die Creative Commons Lizenzbedingung  „Attribution – ShareAlike 3.0 Unported“ verletzt, da weder der Lizenztext noch eine Internetadresse angegeben wurde. Auch wurde die Urheberin des Fotos nicht genannt.

Das Landgericht Berlin (Beschluss vom 8.10.2010, Az. 16 O 458/10)  kam zu der Auffassung, dass die ungenehmigte Nutzung des Fotos eine gem. § 97 Abs. 1 UrhG widerrechtliche Verwendung darstellt.

Das LG Berlin hat daher vermutlich in Deutschland erstmals bezüglich eines Lizenzverstoßes einer Creative Commons Lizenz entschieden.

 

Artikel des ifrOSS vom 28.07.2011

 

 

Die Haftung der Betreiber von Internet-Plattformen für Urheberrechtsverletzungen

Immer wieder werden z. B. Bilder für Portfolios, Beiträge etc. auf Internet-Plattformen eingestellt.  Nicht immer liegt eine Zustimmung des Rechteinhabers für die Verwendung der Fotos vor. Fraglich ist in solchen Fällen, ob der jeweilige Betreiber für die Urheberrechtsverletzung haftet.

1)

Bei Auktions-Plattformen (z. B. eBay) beispielsweise stellt der Betreiber fremde Angebote ein und ist in der Regel nicht verantwortlich. Einschlägig ist diesbezüglich § 10 Telemediengesetz (TMG):

Diensteanbieter sind für fremde Informationen, die sie für einen Nutzer speichern, nicht verantwortlich, sofern

1. sie keine Kenntnis von der rechtswidrigen Handlung oder der Information haben und ihnen im Falle von Schadensersatzansprüchen auch keine Tatsachen oder Umstände bekannt sind, aus denen die rechtswidrige Handlung oder die Information offensichtlich wird, oder

2. sie unverzüglich tätig geworden sind, um die Information zu entfernen oder den Zugang zu ihr zu sperren, sobald sie diese Kenntnis erlangt haben.

Satz 1 findet keine Anwendung, wenn der Nutzer dem Diensteanbieter untersteht oder von ihm beaufsichtigt wird.

Diese Privilegierung des  § 10 TMG gilt zumindest dann, wenn der Diensteanbieter als Vermittler tätig wird und seine Dienste neutral erbringt. Dementsprechend hat kürzlich der EuGH (Urteil vom 12. Juli 2011, Az. C-324/09) in einer markenrechtlichen Angelegenheit die Haftung von sog. „Marktplatz-Betreibern“ erweitert. Diese aus der E-Commerce Richtlinie resultierende Privilegierung gilt also dann nicht, wenn der Diensteanbieter fremde Inhalte optimiert oder aktiv bewirbt.

2)

Bei einigen Websites sieht die Sachlage anders aus. Zu klären wäre zunächst, ob es sich um eigene oder fremde Informationen handelt. Nach § 7 Abs. 1 TMG gilt folgendes:

1) Diensteanbieter sind für eigene Informationen, die sie zur Nutzung bereithalten, nach den allgemeinen Gesetzen verantwortlich.

a) Bei der Abgrenzung von eigenen und fremden Inhalten kommt es maßgeblich auf die Sichtweise eines verständigen Internetnutzers an (vgl. BGH, Urteil vom 12.11.2009, Az. I ZR 166/07 – Marions Kochbuch). Dementsprechend wäre zu fragen, ob sich der Betreiber den Content nach dem Gesamteindruck zu eigen gemacht hat.

b) Betreiber können möglicherweise die inhaltliche Verantwortung für eingestellte Inhalte übernehmen. Teilweise wird der Content nicht gleich freigeschaltet sondern beispielsweise noch inhaltlich überprüft. Findet eine solche Vorprüfung durch den Betreiber statt, besteht für diesen die Gefahr, die Verantwortung für die Inhalte zu übernehmen. Diesbezüglich führte das Kammergericht (KG, Beschluss vom 10.07.2009, Az. 9 W 119/08) aus:

Vorliegend sprechen gewichtige Gründe für die Annahme, dass sich der Betreiber der Internetseite die streitgegenständliche Veröffentlichung tatsächlich zu eigen gemacht hat…Zu dem betreffenden Zeitpunkt hatte die Antragsgegnerin aber der Veröffentlichung jedes einzelnen Fotos ein Auswahl- und Prüfungsverfahren vorgeschaltet. Bereits hierdurch wird bei einem objektiven Betrachter nachhaltig der Eindruck erweckt, dass sich der Betreiber der Internet-Plattform mit den veröffentlichten Fotos selbst identifiziert. Dieser Eindruck wird durch die gesamte Aufmachung der vom Antragsgegner betriebenen Internetseiten bestätigt. Dort wird zwar auf die Urheber der einzelnen Fotoaufnahmen hingewiesen, allerdings geschieht dies lediglich in unauffälliger und sehr dezenter Form. Im Vordergrund steht vielmehr die von Antragsgegner vertretene Firmenphilosophie, nämlich „moderne und zeitgeistige Fotografie zu veröffentlichen“.

Eine Verantwortlichkeit kann in solchen Konstellationen nur durch eine ausreichende und ausdrückliche Distanzierungsklausel herbeigeführt werden (OLG Köln, Urteil vom 28.05.2002, Az. 15 U 221/01 – Steffi Graf).

Eine reine Kennzeichnung des fremden Inhaltes reicht also nicht aus (z. B. gem. Hinweis in den AGB). Vielmehr muss eine ernsthafte und ausreichende Distanzierung des Betreibers stattfinden, damit von einer Verantwortlichkeit nicht ausgegangen werden muss (BGH, a.a.O.).

3) Störerhaftung

Ein Unterlassungsanspruch scheidet beispielsweise bei Foto-Communities mangels Prüfungspflichten regelmäßig aus (OLG Zweibrücken, Urteil vom 14.05.2009, Az. 4 U 139/08). Es genügt diesbezüglich, dass der Betreiber die Fotos auf Hinweis des Rechteinhabers von der Website entfernet hat (Prinzip des sog. „notice and take down“).

 

Unberechtigte Verwendung von 3 Lichtbildern rechtfertigt eine Deckelung der Abmahnkosten auf 100,00 €

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Die Tatbestandsvoraussetzungen des § 97a Abs. 2 UrhG sind auch dann erfüllt, wenn zu privaten Zwecken 3 Lichtbilder unberechtigt verwendet worden sind (AG Braunschweig, Urteil vom 22.06.2011, Az. 117 C 1106-10). Eine Deckelung der Abmahnkosten auf 100,00 € ist daher gegeben.

Hintergrund der Entscheidung war, dass eine Privatperson im Jahre 2009 unberechtigt  Lichtbilder  auf ebay verwendet hatte. Der Beklagte (außergerichtlich und gerichtlich vertreten durch RA Plücken) hatte für eine 10-tägige ebay-Auktion 3 Produktfotos eines Notebooks in verkleinerter Form auf ebay verwendet. Eine Genehmigung des Klägers holte der Beklagte beim Kläger nicht ein, da ihm nicht ersichtlich gewesen sei, dass der Kläger Urheber der Lichtbilder gewesen war. Der Kläger betreibt einen Versandhandel über ebay und forderte vom Beklagten insgesamt 900,00 € Schadensersatz nebst 507,50 € Anwaltskosten. Der Beklagte zahlte vorprozessual 120,00 € Schadensersatz an den Kläger und erstattete 100,00 € Anwaltskosten.

Der Kläger hat seit 2009 ca. 35 Klagen vergleichbarer Art beim AG Braunschweig anhängig gemacht.

Das AG Braunschweig ist der Auffassung, dass ein einfach gelagerter Fall mit einer auch nur unerheblichen Rechtsverletzung außerhalb des geschäftlichen Verkehrs vorliegt. Ein in quantitativer Hinsicht unerheblicher Verstoß liege schon deshalb vor, da es sich um eine einmalige und auch nur vorübergehende Veröffentlichung gehandelt habe. Aus dem Willen des Gesetzgeber sei nämlich nicht abzuleiten, dass jede Verwendung mehrerer Fotos zu einer erheblichen Rechtsverletzung führt (vgl. Deutscher Bundestag, BT Drucksache 16/8783 vom 09.04.2008, S. 49/50) . Zudem sei es nur schwer zu vermitteln, wie die Verwendung von drei Lichtbilder einen mehr als fünffachen Aufwendungsersatzansruch nach sich ziehen könne, im Vergleich zu der Verwendung von lediglich einem einzigen Bild.

Das Gericht macht sich schließlich die Entscheidung des LG München (LG München I, Beschluss vom 20.01.2010, Az. 12 T 21546/09) zu eigen, wonach der Streitwert eines Unterlassungsbegehren je nach Lage des Einzelfalls nicht über das drei- bis fünffache der angemessen Lizenzgebühr hinausgehen kann.

 

Siehe hierzu auch meine weiteren Artikel zu dieser Entscheidung des AG Braunschweig:

Urheberrechtlicher 100 %-Verletzerzuschlag wegen fehlender Urhebernennung gilt nicht bei versteckter Kennzeichnung

MFM-Bildhonorare können bei privater Nutzung eingeschränkt für die Berechnung von Schadensersatz herangezogen werden

Urheberrechtlicher 100 %-Verletzerzuschlag wegen fehlender Urhebernennung gilt nicht bei versteckter Kennzeichnung

Ein sog. Verletzerzuschlag in Höhe von 100% wegen unterlassenem Bildquellennachweis setzt voraus, dass der Urheber von seinem Urheberbezeichnungsrecht gem. § 13 S. 2 UrhG Gebrauch gemacht hat (AG Braunschweig, Urteil vom 22.06.2011, Az. 117 C 1106-10).

Hintergrund der Entscheidung war, dass eine Privatperson im Jahre 2009 unberechtigt  Lichtbilder  auf ebay verwendet hatte. Der Beklagte (außergerichtlich und gerichtlich vertreten durch RA Plücken) hatte für eine 10-tägige ebay-Auktion 3 Produktfotos eines Notebooks in verkleinerter Form auf ebay verwendet. Eine Genehmigung des Klägers holte der Beklagte beim Kläger nicht ein, da ihm nicht ersichtlich gewesen sei, dass der Kläger Urheber der Lichtbilder gewesen war. Der Kläger betreibt einen Versandhandel über ebay und forderte vom Beklagten insgesamt 900,00 € Schadensersatz (150,00 je Lichtbild zzgl. 100% „Verletzeraufschlag“). Eine Urheberkennzeichnung nahm der Kläger an seinen Lichtbildern in den Dateieigenschaften unter Details vor. Am Ende der Produktbeschreibung und weiteren Hinweisen befand sich der Vermerk (c) 2010.

Das AG Braunschweig ist der Auffassung, dass ein am Ende der Produktbeschreibung angebrachter Urhebervermerk nicht für eine ordnungsgemäße Kennzeichnung ausreicht und nur als versteckter Hinweis angesehen werden kann. Zudem sei der Copyright-Vermerk aus dem Jahre 2010, die Verletzungshandlung habe aber schon im Jahr 2009 stattgefunden. Eine Urheberkennzeichnung sei auch dann nicht ausreichend erfolgt, wenn der Hinweis nur durch mehrere Mausklicks in den Dateieigenschaften (unter Details/Ursprung) zu finden sei.

 

Siehe hierzu auch meinen weiteren Artikel zu dieser Entscheidung des AG Braunschweig:

MFM-Bildhonorare können bei privater Nutzung eingeschränkt für die Berechnung von Schadensersatz herangezogen werden

 

MFM-Bildhonorare können bei privater Nutzung eingeschränkt für die Berechnung von Schadensersatz herangezogen werden

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Fotorecht:

MFM-Bildhonorare können zur Berechnung des Schadensersatzes nach den Grundsätzen der Lizenzanalogie bei Nutzungen zu privaten Zwecken zwar herangezogen werden, dies gilt jedoch bezüglich der jeweiligen Tarife nicht in uneingeschränkter Höhe.

So hat das  AG Braunschweig (AG Braunschweig, Urteil vom 22.06.2011, Az. 117 C 1106-10) kürzlich in einem Fall einer unberechtigten Bildnutzung durch eine Privatperson auf ebay entschieden.  Der Beklagte (außergerichtlich und gerichtlich vertreten durch RA Plücken) hatte für eine 10-tägige ebay-Auktion 3 Produktfotos eines Apple Macbooks (Verkaufspreis 760,00 €)  in verkleinerter Form auf Ebay verwendet. Eine Genehmigung des Klägers holte der Beklagte beim Kläger nicht ein, da ihm nicht ersichtlich gewesen sei, dass der Kläger Urheber der Lichtbilder gewesen war. Der Kläger betreibt einen Versandhandel über ebay und forderte vom Beklagten insgesamt 900,00 € Schadensersatz (150,00 je Lichtbild zzgl. 100% „Verletzeraufschlag“). Eine Urheberkennzeichnung nahm der Kläger an seinen Lichtbildern nur in den Dateieigenschaften unter Details vor. Vorprozessual hatte der Beklagte bereits 120,00 € Schadensersatz sowie 100,00 € Anwaltskosten an den Kläger erstattet.

Das AG Braunschweig ist der Auffassung, im Rahmen einer Schadensschätzung gem. § 287 ZPO auf die MFM-Bildhonorare zurückgreifen zu können. Vernünftige Parteien hätten sich keinesfalls bei einem angestrebten Verkaufserlös von 760,00 € auf eine Lizenz von 450,00 € für eine dreimonatige Nutzung geeinigt. Es könne nur von einer einmonatigen Nutzungszeit ausgegangen werden (vgl. LG Düsseldorf, Urteil vom 19.03.2008, Az. 12 O 416/06), wonach zunächst von einem Tarif von 100,00 € je Bild auszugehen sei. Vernünftige Vertragsparteien hätten sich ausgehend von diesem Tarif auf eine ermäßigte Lizenz von 40,00 € je Lichtbild geeinigt, unter Berücksichtigung einer privaten Nutzung des Bildes in verkleinerter Form (vgl. auch OLG Braunschweig, Urteil vom 03.02.2009, Az. 6 U 58/08).

Somit hatte der Beklagte bereits vorprozessual den Kläger ausreichend entschädigt, diesbezüglich war die Klage als vollumfänglich unbegründet abzuweisen.

 

Siehe hierzu auch meinen weiteren Artikel zu dieser Entscheidung des AG Braunschweig:

Urheberrechtlicher 100 %-Verletzerzuschlag wegen fehlender Urhebernennung gilt nicht bei versteckter Kennzeichnung

Die Urteilsbegründung werde ich zeitnah als PDF-Datei zu diesem Artikel hochladen.

Urheberrechtlich geschützte Inhalte, die uneingeschränkt ins Netz gestellt werden, dürfen von Dritten genutzt werden

Die Personensuchmaschine Yasni darf auf der Webseite fremde urheberrechtlich geschützte Fotos im Rahmen seiner Suchergebnisse anzeigen. So hat es das Landgericht Hamburg kürzlich in erster Instanz entschieden (LG Hamburg, Urt. v. 12.04.2011 – Az.: 310 O 201/10).

Zum Sachverhalt: Klägerin war der Rechteinhaber von mehreren Fotografien. Die Beklagte betreibt unter der der Bezeichnung „Yasni“ eine Personensuchmaschine. In den Suchergebnissen der Beklagten wurden die Bilder der Klägerin angezeigt. Der Rechteinhaber war hiermit nicht einverstanden und klagte.

1. Das Hamburger LG wies die Klage ab. Die Richter waren der Meinung, dass keine rechtswidrige Urheberrechtsverletzung vorliege, da die Klägerin durch ihr Verhalten in eine Nutzung wie der Vorliegenden einwillige (entsprechend § 22 KunstUrhG), indem sie von den Möglichkeiten, die Verbreitung des Bildes durch entsprechende Befehle im Quellcode der Seite zu verhindern, nicht wahrgenommen habe. Weiterlesen

Online Archive: Kunstwerke einer Ausstellung dürfen nur im Rahmen der Gegenwartsberichterstattung abgebildet werden

Der BGH hat kürzlich über die Zulässigkeit der Online-Archivierung von Berichterstattungen über Kunstausstellungen nach § 50 UrhG entschieden (BGH, MIR 2011, Dok. 35). In der Sache ging es darum, dass eine Zeitung über eine zum damaligen Zeitpunkt (2002) aktuelle Kunstausstellung berichtet hatte. Der Bericht enthielt neben Texten auch zahlreiche Abbildungen einiger Kunstwerke. Noch während der Ausstellung wurde der bebilderte Artikel in das Online-Archiv der Zeitung eingestellt, der dort nach Ausstellungsende weiter abrufbar war. Die Rechteinhaber klagten auf Schadensersatz.

Der BGH gab der Klägerin (VG Bild-Wort) recht. Nach Ansicht des BGH ist eine Berichterstattung über Tagesereignisse nach § 50 UrhG nur so lange zulässig, wie die jeweilige Veranstaltung noch als Tagesereignis angesehen werden kann. Weiterlesen

Veröffentlichung von Fotos bei Modenschauen

Auf Modenschauen Normalität: Models posieren am Ende des Laufstegs. Blitzgewitter, Fotografen schießen ein Foto nach dem anderen. Teilweise werden die Bilder dann  in der Presse oder sonstigen Medien veröffentlicht. Wie ist die Rechtslage, wenn ein Model einmal nicht mit einer Veröffentlichung einverstanden ist? Wäre auch ein Schmerzensgeld gerechtfertigt, wenn Models davon ausgegangen sind, dass es sich um eine Modenschau vor Fachpublikum unter Ausschluss der Öffentlichkeit handelt?

Das Landgericht Berlin hatte einen solchen Fall zu entscheiden, hierbei ging es um eine Modenschau als öffentliche Abendveranstaltung mit erheblicher Pressebeteiligung. In solchen Fällen liegt keine Verletzung des Rechts am eigenen Bild vor. Denn eine konkludente Einwilligung durch das Verhalten der Fotografierten liegt vor. Es kommt nämlich darauf an, wie der Fotograf das Verhalten der Models verstehen musste. Bei erheblicher Pressebeteiligung müssen Models damit rechnen, dass der Veranstalter ein Interesse an einer Berichterstattung durch die Medien hat. Anderenfalls müssten Models ausdrücklich einer Presseveröffentlichung der von ihnen angefertigten Fotos widersprechen. Weiterlesen

Berichterstattung über den Besuch eines Prominenten bei der Pariser Modewoche ist zulässig

Die Berichterstattung über den Besuch einer prominenten Persönlichkeit bei der Pariser Modewoche ist rechtlich nicht zu beanstanden. Eine Adlige muss es nämlich im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung hinnehmen, dass eine Zeitung über ihren dortigen Besuch namentlich berichtet.

Charlotte Casiraghi, die Tochter der Prinzessin Caroline von Monaco, besuchte die Pariser Modewoche. Die BUNTE hatte über diese Tatsache berichtet. Charlotte Casiraghi war mit der Berichterstattung nicht einverstanden. Sie war vielmehr der Ansicht, dass der Artikel sie in ihrem sog. Allgemeinen Persönlichkeitsrechts verletze und somit rechtswidrig sei. Das Berliner Landgericht hat die Klage der Adligen nun kürzlich abgewiesen. Weiterlesen